13 Semester (2010)
Ein Artikel von Filmblog-Redakteur Laurence
Lange feiern, lange schlafen: Die Studenten in 13 Semester lassen sich viel Zeit. In Zeiten des Bachelor schlicht anachronistisch. (Foto: Claussen + Wöbke + Putz Filmproduktion GmbH / Hessischer Rundfunk)
Die Story in sechs Sätzen: Bummelstudent Momo entrinnt der Provinz und beginnt ein Studium der Wirtschaftsmathematik in Darmstadt. In den ersten sechs Semestern studiert Momo vor allem das Nachtleben und die Frauen - nach seinem Vordiplom schiebt er ein Auslandsjahr in Australien ein. Plötzlich ist Langzeitstudent Momo im 13. Semester, will endlich seinen Abschluss machen, merkt aber dass er seit Jahren nichts für die Uni gemacht hat, noch dazu hat ihn seine Freundin Kerstin verlassen. Momo beginnt zu lernen, schließt sein Studium ab, erobert Kerstin zurück und macht eine Würstchenbude auf. Denn merke: Ein Abschluss macht erfolgreich!
Wie war’s: Vollmundig wird 13 Semester als „erster deutscher Studentenfilm” angekündigt, der das „typisch charmant liebenswerte Chaos deutscher Studenten unter die Lupe nimmt”. Der „Feel-Good-Movie” soll unkonventionell, lustig und authentisch sein. An seinen eigenen Ansprüchen gemessen, ist 13 Semester leider durchgefallen. Denn seit der Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen ist es alles andere als „authentisch” 13 Semester an der Uni zu versacken. Der Durchschnittsbachelorstudent ist gerade einmal sechs Semester an der Hochschule, bei steigender Arbeitsbelastung und mehr Leistungskontrollen. Hier hätte ein bisschen Recherche im Hörsaal nicht geschadet. Dadurch wirkt 13 Semester recht veraltet, er zeigt höchstens wie es früher einmal war und warum das auch Nachteile hatte. Das ist schade, denn der Film hat durchaus auch gute Seiten. Zum Beispiel den guten Soundtrack, zu dem auch die Berliner Untergrundband Bonaparte einen Song beigesteuert hat. Die Figuren des Films sind sorgsam ausgearbeitet. Bummelstudent Momo überzeugt und lässt den Zuschauer gut nachfühlen, warum aufschieben einfach angenehmer ist, als überhaupt erst anzufangen. Der Film entwickelt seine Komik größtenteils aus den Figuren heraus und setzt nicht nur auf plumpen Slapstick. Ob sich der deutsche Studentenfilm ähnlich dem amerikanischen College-Film etabliert, bleibt vorerst fraglich. Wird wahrscheinlich erst was in den nächsten Semestern.
Der Dialog:
Dirk: Wir studieren hier Wirtschaftsmathematik und nicht Sozialpädagogik.
Momo: Aber ich werde hier nicht gerade aus der Lerngruppe geworfen, oder?
Dirk: Wir müssen jetzt echt mal einen anderen Gang einlegen!
Fakten, Fakten, Fakten:
Regisseur: Frieder Wittich.
Schauspieler: Max Riemelt, Alexander Fehling, Claudia Eisinger, Robert Gwisdek, Amit Shah.
Länge: 101 Minuten
Anekdote: Regisseur Frieder Wittich hatte während der Filmarbeiten für einen Tag ein Beratungsgespräch mit Victor von Bülow (Loriot).
Wo kann man den Film sehen?
Kinostart ist der 7. Januar 2010
Tags: 00er, Deutschland, Studenten, Verriss
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